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Case Study

SLM-Titan Case Study: Von 21 Tagen Lieferzeit auf 5 Werktage

18. Februar 20265 Min. Lesezeit

Wie ein Maschinenbauer mit SLM-Titan Ausfallzeiten von 3 Wochen auf 5 Tage reduzierte

Ein mittelständischer Maschinenbauer aus dem Rheinland produziert Spezialmaschinen für die Verpackungsindustrie. Die Anlagen laufen im Dreischichtbetrieb, Stillstandzeiten sind teuer — sehr teuer. Doch genau damit kämpfte das Unternehmen: Kritische Titan-Verschleißteile mit Lieferzeiten von 21 Tagen. Jeder ungeplante Ausfall bedeutete Produktionsverzug, nervöse Kunden und Vertragsstrafen.

Die Lösung kam aus Düsseldorf: Selective Laser Melting (SLM) mit Ti6Al4V-Titan. Nach sechs Monaten steht das Ergebnis: 99,8% Anlagenverfügbarkeit, 45% Kostenersparnis und null ungeplante Stillstände durch Lieferverzug.

Das Problem: Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten

Das betroffene Bauteil ist ein Führungsschuh aus Titan — 180 mm lang, 45 mm Durchmesser, hochbelastet durch abrasive Materialien. Der bisherige Lieferant fertigte das Teil spanend aus Vollmaterial. Mindestabnahme: 10 Stück. Lieferzeit: 3 Wochen ab Bestellung.

Das Problem war nicht die Qualität des Teils, sondern die Beschaffungslogistik:

  • Keine Lagerbestände: Bei 10.000€ Kapitalbindung pro Bestellung waren große Lagerbestände unwirtschaftlich
  • Lange Vorlaufzeit: Drei Wochen bedeuteten: Bauteilausfall heute = Stillstand bis nächsten Monat
  • Single-Source-Risiko: Nur ein Lieferant weltweit konnte die geforderten Toleranzen (+/- 0,1 mm) und Oberflächengüte (Ra 3,2) liefern
  • Hohe Stückkosten: 420€ pro Teil bei spanender Fertigung aus Vollmaterial

Die Folge: Reaktive Instandhaltung statt präventiver Wartung. Der Instandhaltungsleiter bestellte immer dann, wenn das Teil bereits verschlissen war — nicht wenn es planbar werden musste.

Die Lösung: Lokale SLM-Fertigung mit Ti6Al4V

Nachdem ein Maschinenschaden 18.000€ Produktionsausfall verursacht hatte, suchte das Unternehmen Alternativen. Die Anforderungen:

  • Material: Ti6Al4V (3.7165), biokompatibel nicht erforderlich
  • Mechanische Eigenschaften: Min. 900 MPa Zugfestigkeit, min. 10% Bruchdehnung
  • Toleranzen: +/- 0,1 mm an kritischen Funktionsflächen
  • Oberflächengüte: Ra 3,2 µm nach Bearbeitung
  • Zertifizierung: Materialzertifikat 3.1 nach DIN EN 10204

Die Analyse durch NextCast Engineering ergab: Das Bauteil ist ideal für SLM-Fertigung. Der Konstruktionsentwurf wurde für Metall-3D-Druck optimiert — mit Gitterstrukturen in unkritischen Bereichen, was 30% Gewicht und 40% Materialkosten einsparte.

Technische Umsetzung

Das SLM-Verfahren ermöglichte eine Neugestaltung des Bauteils:

ParameterSpanende FertigungSLM-Fertigung
MaterialTi6Al4V VollmaterialTi6Al4V Pulver (ELI-Grade)
Gewicht280 g195 g (-30%)
Wandstärke8 mm (durchgehend)3 mm + Gitterstruktur
Lieferzeit21 Tage5 Werktage
Stückpreis (ab 1 Stück)420 €230 € (-45%)
Mindestabnahme10 Stück1 Stück

Die SLM-Fertigung erfolgt bei qualifizierten Partnern in Deutschland. Nach dem Druckprozess durchläuft jedes Teil die 100%-Qualitätskontrolle in Düsseldorf:

  1. Sichtprüfung: Oberflächendefekte, Risse, Poren
  2. Dimensionskontrolle: Koordinatenmessgerät für kritische Maße
  3. Materialprüfung: Zertifikat 3.1 mit Chargennummer
  4. Funktionstest: Optional beim Kunden vor Serienfertigung

Die Ergebnisse nach 6 Monaten

Das Unternehmen stellte im September auf SLM-Fertigung um. Die Kennzahlen sprechen für sich:

Verfügbarkeit:

  • Vorher: 94% (entspricht 22 Ausfalltage pro Jahr)
  • Nachher: 99,8% (entspricht 0,7 Ausfalltage pro Jahr)

Beschaffungskosten:

  • Vorher: 420€ pro Teil × 24 Teile/Jahr = 10.080€
  • Nachher: 230€ pro Teil × 28 Teile/Jahr = 6.440€ (−36% trotz häufigerer präventiver Tausch)

Instandhaltungsstrategie:

  • Vorher: Reaktiv — Teile werden getauscht wenn defekt
  • Nachher: Präventiv — Teile werden nach 2.400 Betriebsstunden getauscht (= alle 3 Monate)

Lagerkosten:

  • Vorher: 10 Teile × 420€ = 4.200€ Kapitalbindung
  • Nachher: 2 Teile × 230€ = 460€ Kapitalbindung (−89%)

Der wichtigste Effekt ist aber nicht monetär messbar: Die Planungssicherheit. Der Instandhaltungsleiter kann jetzt Wartungsfenster drei Monate im Voraus planen und weiß: Das Ersatzteil ist in 5 Werktagen verfügbar.

Welche Bauteile eignen sich für SLM?

Nicht jedes Ersatzteil sollte per SLM gefertigt werden. Die Wirtschaftlichkeit ist am höchsten bei:

  • Lange Lieferzeiten: Ab 2 Wochen Beschaffungszeit lohnt sich SLM fast immer
  • Geringe Stückzahlen: 1–50 Teile/Jahr — darüber wird konventionelle Fertigung günstiger
  • Komplexe Geometrien: Hinterschnitte, innere Kanäle, Gitterstrukturen
  • Hochwertige Materialien: Titan, Inconel, Maraging Steel — hier ist die Materialersparnis am höchsten
  • Kritische Bauteile: Wenn Stillstand teurer ist als das Bauteil

Für Standardteile mit kurzen Lieferzeiten (< 1 Woche) und hohen Stückzahlen (> 100/Jahr) bleibt konventionelle Fertigung meist wirtschaftlicher.

Nächste Schritte: Wie Sie Ihre kritischen Bauteile analysieren

Wenn Sie ähnliche Beschaffungsengpässe haben, empfehlen wir diese Vorgehensweise:

  1. Identifizieren Sie Ihre Top-10-Engpassteile: Welche Bauteile verursachen die meisten ungeplanten Stillstände?
  2. Prüfen Sie die Materialeignung: Titan, Edelstahl, Aluminium, Inconel oder Maraging Steel?
  3. Laden Sie die CAD-Daten hoch: Über unser Upload-Portal erhalten Sie in 24 Stunden eine Machbarkeitsanalyse
  4. Bestellen Sie ein Musterteil: Testen Sie Passung, Funktion und Belastbarkeit in Ihrer Anlage

Die Machbarkeitsanalyse ist kostenlos und unverbindlich. Sie erhalten:

  • Technische Bewertung der SLM-Eignung
  • Verbindliches Preisangebot (ab 1 Stück)
  • Lieferzeit (Standard: 5 Werktage)
  • Optimierungsvorschläge für Design-for-Additive-Manufacturing

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MBA

Malek Ben Ayed

Geschäftsführer, NextCast Engineering

Malek verantwortet die strategische Entwicklung und Qualitätssicherung bei NextCast Engineering. Mit Erfahrung in der Metallindustrie und additiven Fertigung berät er deutsche Industrieunternehmen bei der Integration von SLM-Technologie.

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